Zeitzeugen im Offenen Kanal Berlin

Verfolgte der Hitlerdiktatur berichten


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Der Offene Kanal Berlin

Er wurde 1985 gegründet und untersteht als Anstalt des Öffentlichen Rechts der Medienanstalt Berlin Brandenburg und wird aus Rundfunkgebühren finanziert. Der Offene Kanal Berlin veranstaltet unentgeltlich Einführungskurse für Fernseh- und Rundfunknutzung und stellt kostenlos Studioeinrichtungen und Sendeplätze für Hörfunk -, TV- und Online-Produktionen zur Verfügung.

Das Programm ist werbefrei und nicht kommerziell, es wird von den Nutzerinnen und Nutzern bestimmt, die die Sendungen in eigener Verantwortung produzieren, und die bei Rechtsverstößen selbstverständlich die Folgen tragen (Informationen dazu im Rechtshandbuch Bürgermedien von Eckard Nachtwey und Peter Willers [Hrsg.], Kiel 1999.).

Der Sender erreicht insgesamt ein heterogenes, besonders für soziale und politische Themen engagiertes Publikum in der Stadt, da der Offene Kanal mit seinen diversen Erwachsenenprojekten sehr "basisnah" orientiert ist. Unter den Zuschauern sind auch Schüler und Jugendliche, die dank der intensiven Arbeit des Offenen Kanals mit Schulen und Bildungseinrichtungen enge Bindungen zum Sender haben. Soziologisch definiert, handelt es bei diesem Fernsehkanal um kategoriale Massenkommunikation. Für die Zukunft haben sich die Leitung, Mitarbeiter und der Förderverein Offener Kanal Berlin e.V. viel vorgenommen: Zusammen mit den Nutzern wollen sie inhaltlich den Dritten Programmen in Berlin-Brandenburg Konkurrenz machen, die bereits in den Sog der Quote geraten sind, der manche bürgernahe Thematik zum Opfer fällt. Ein erster Versuch fand im Sommersemester 2000 mit dem Medienberater-Projekt "Eurovisionen – Studenten fragen, Europapolitiker antworten" statt. Diese Sendereihe wurde von November bis Dezember 2000 ausgestrahlt und erhielt ihre Fortsetzung am 8. Juni 2001 mit dem "Thementag Europa": Von 16.00 bis 22.00 Uhr produzierten Medienberater-Studenten unter der Leitung von Dr. Barbara von der Lühe eine Live-Sendung mit Interviews und Musikdarbietungen.

 

Survivors of the Shoah Visual History gGmbH


"Erinnern für Gegenwart und Zukunft. Überlebende des Holocaust berichten."

Annette Wulff, Martina Voigt und Ulrich Baumann präsentierten im Rahmen unseres Seminars die CD-ROM "Erinnern für Gegenwart und Zukunft- Überlebende des Holocaust berichten" der von Steven Spielberg gegründeten Stiftung Survivors of the Shoah. Frau Wulff erläuterte die inhaltlichen Schwerpunkte der speziell für Schulen entwickelten CD-ROM. Im Mittelpunkt stehen Interviews mit zwei Zeitzeugen, die über ihr Leben vor, während und nach der Shoah berichten. Der autobiographische Ansatz wird durch Interviewsequenzen mit weiteren Überlebenden ergänzt. Martina Voigt und Ulrich Baumann, die wesentlich an der Konzeption und Gestaltung mitgewirkt hatten, erläuterten die verschiedenen Elemente der CD-ROM, die ergänzend zu den Interviews Informationen geben: zwei interaktive Zeitleisten, die den Verlauf der Judenverfolgung und der politischen Entwicklung in Europa geben, und ein Glossar mit Hintergrundinformationen zu Begriffen und Ereignissen aus der NS-Zeit. Für unser Projekt waren zum einen das inhaltliche Konzept der Interviews der Shoah-Foundation wichtig, das nicht nur auf die Verfolgungszeit abzielt, sondern diese in den gesamten Zusammenhang des Lebens und der Erfahrungen der Zeitzeugen stellt. Zum anderen erhielten wir zahlreiche, für die gesamte multimediale Konzeption des TU-Projektes sehr wichtige Informationen.

CD- ROM:

Erinnern für Gegenwart und Zukunft. Überlebende des Holocaust berichten. Survivors of the Shoah Visual History gGmbH. Cornelsen Verlag Berlin 2000.

Zu der CD- ROM ist ein Unterrichtskommentar mit Vorschlägen für Projekte, Hausaufgaben, Referate und Arbeitsblätter erhältlich.

Weitere Informationen erhalten Sie über die Web- Anbindung des Projektes:

http://www.erinnern-online.de


Das Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main


Das Zeitzeugen-Video-Projekt

Gottfried Kößler stellte uns das Zeitzeugen-Projekt des Fritz Bauer Instituts in Frankfurt am Main vor. Seit den 80er Jahren werden hier Interviews mit ehemaligen frankfurter Juden aufgezeichnet, mit den thematischen Schwerpunkten der individuellen Verfolgungsgeschichte und der frankfurter Lokalgeschichte. Die Zeitzeugen-Videos, die aus diesem Material für die pädagogische Arbeit ausgewählt und bearbeitet wurden, bisher vier an der Zahl, mit einer Länge zwischen 60 und 110 Minuten, sind Teil eines größeren, interdisziplinären pädagogischen Projekts für die schulische und ausserschulische Bildung mit dem Titel "Konfrontationen. Bausteine für die pädagogische Annäherung an Geschichte und Wirkung des Holocaust", das mit verschiedenen Medien und unterschiedlichen Methoden arbeitet. Bei den Videos steht nicht die filmische Gestaltung, sondern die Erzählung des Zeitzeugen im Vordergrund, die jeweils bestimmten Themen gewidmet ist: Diese Ausschnitte sollen den Prozess der Diskriminierung und des Übergangs von staatlicher Macht in Terror während der NS-Zeit aus verschiedenen Perspektiven deutlich machen und einen Vergleich erlauben, erläuterte Kößler. Die Videos sind vor allem als Material für die Gestaltung von Lernprozessen gedacht. Ein Ausschnitt aus dem Interview mit Franz Ephraim Wagner, "Auch die Musik hat mir mein Leben gerettet", illustrierte die Arbeit und das Konzept der Edition. Wagner, dem als Jugendlicher die Emigration nach Palästina gelang, erzählt in zwei Teilen die Geschichte seiner Freundschaft mit einem Nichtjuden, der erste Teil handelt von der NS-Zeit, in der sein Freund, nunmehr Mitglied der Hitler-Jugend, sich von Wagner abwandte, im zweiten Teil berichtet er vom Wiedersehen der beiden im Jahr 1980. Kößler führte im Kontrast dazu ein zweites Zeitzeugen-Video vor, in dem Herbert Rollwage seine Erinnerungen an die Kinderlandverschickung schilderte.

Literatur:

Kößler, Gottfried und Petra Mumme: Konfrontationen. Bausteine für die pädagogische Annäherung an Geschichte und Wirkung des Holocaust. Heft 1: Identität. Frankfurt am Main 2000.

Fechler, Bernd/ Gottfried Kößler und Till Lieberz-Groß [Hrsg.]: "Erziehung nach Auschwitz" in der multikulturellen Gesellschaft. Pädagogische und soziologische Annäherungen. Weinheim 2000.

Wagner, Franz Ephraim: "Auch die Musik hat mir mein Leben gerettet", Interview: Petra Mumme, Kamera: Werner Lott, Schnitt: Bernd Zickert, Recherche: Gottfried Kößler. Frankfurt am Main 1999. VHS 90 Minuten.

Informationen zu dem Zeitzeugen-Projekt des Fritz Bauer Instituts in Frankfurt am Main erhalten sie über:

Fritz Bauer Institut
Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust

Stiftung des bürgerlichen Rechts-
Grüneburgerplatz 1 (IG Farben-Haus, Q3, 5. OG)
D- 60323 Frankfurt am Main
Postanschrift: Postfach, D- 60629 Frankfurt am Main
Tel.: 069- 79 83 22- 40
Fax: 069- 79 83 22- 41
E-mail: info@fritz-bauer-institut.de
Internet: http://www.fritz-bauer-institut.de

Das Moses Mendelssohn Institut Potsdam


Archiv der Erinnerung

Irene Diekmann referierte über das Projekt "Archiv der Erinnerung" des Moses Mendelssohn Instituts in Potsdam. Sie schilderte zunächst die in den Interviews angewandten Methoden: Grundlage ist die von Dori Laub entwickelte, an die therapeutische Gesprächsführung angelehnte Methode: Die Interviewer stellen nur wenige, in die Erzählung der Überlebenden eingebettete Fragen, um so direkt oder indirekt angesprochene Themen zu vertiefen und emotional schwierige Stellen des Interviews aktiv zu begleiten. Ergänzend dazu, so schilderte Irene Diekmann, nahm das "Archiv der Erinnerung" Anregungen aus dem Bereich der Sozialwissenschaften, wie zum Beispiel den Ansatz von Fritz Schütze oder Gabriele Rosenthal.

Die so kombinierten Methoden der Gesprächsführung verlangen von den Interviewern in besonderem Maße Empathie und die Fähigkeit zum intuitiven Nachfragen. Inhaltlich wurden in den Interviews drei lebensgeschichtlich wichtige Phasen thematisiert, nämlich die Zeit vor, während und nach der Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus. Auf diese Weise sollten die durch die Shoah zerstörten Lebenszusammenhänge der Interviewten deutlicher werden, vom gewaltsamen Verlust der Welt der Kindheit bis zum heutigen Leben.

Aus einem Gesamtfundus von insgesamt 78 Zeitzeugen-Gesprächen wurden 1997 sechs ausgewählt, die, auf eine Länge von etwa 40 Minuten pro Interview gekürzt und als Videos mit dem Titel "Archiv der Erinnerung" zum Einsatz in der Schule, Erwachsenen- und Hochschulbildung herausgegeben, exemplarisch wichtige Aspekte der Judenverfolgung während der NS-Zeit veranschaulichen.

Diese erläuterte Irene Diekmann anschaulich während unseres Seminars anhand eines der Zeitzeugen-Videos, das unter dem Themenschwerpunkt "Jüdisches Leben" in Brandenburg bearbeitet worden war.

Literatur:

Felman, Shoshana und Dori Laub: Testimony. Crisis of Witnessing in Literature, Psychoanalysis and History. New York 1992.

Diekmann, Irene/Cathy Gelbin/Michael Kaden und Eva Lezzi: Begleitheft zur Video-Edition Archiv der Erinnerung. Interviews mit Überlebenden der Shoah. Potsdam 1998.

Schütze, Fritz: Die Technik des narrativen Interviews in Integrationsfeldstufen, dargestellt an einem Projekt zur Erforschung von kommunalen Machtstrukturen. Bielefeld 1977.

Kontakt zu dem Moses Mendelssohn Institut können Sie aufnehmen über:

Moses Mendelssohn Zentrum
Am Neuen Markt 8
14467 Potsdam
Tel.: 0331- 28 094-0
Fax: 0331- 2809450
E-mail: moses@mmz.uni-potsdam.de